Zimmerbrunnen
Die ersten, noch heute bekannten Zimmerbrunnen fanden sich in den opulenten Schlössern und Prunkbauten aus der Barockzeit. Damals waren keine Anstrengungen zu groß, und kaum ein Bauwerk zu teuer, um nicht realisiert zu werden. Arbeitskräfte waren billig, als Leibeigene meist sogar kostenlos und die Kosten wurden von der unterdrückten Bevölkerung wieder eingetrieben. Die Herrscher versuchten, sich innerhalb ihrer herrschaftlichen Sitze ihre eigen Welt zu kreieren und ließen verkleinerte Abbilder der Brunnen im Schlossgarten in ihre Schlösser bauen.
Danach verschwanden Zimmerbrunnen in der Versenkung, wo sie die Zeit bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts überdauerten. In den siebzigern wieder entdeckt, kam es bis etwa Mitte der achtziger Jahre zu einer richtigen Blüte der Zimmerbrunnen. Als Dekorationsobjekte gab es Zimmerbrunnen in allen Preislagen und in allen erdenklichen Ausführungen.
Dem ständigen leichten Plätschern des Wassers wurde eine beruhigende und ausgleichende Wirkung zugeschrieben. Es gab Zimmerbrunnen aus allen erdenklichen Materialien, von echtem Stein oder Granit, bis hin zu Kunststein. Für besonders futuristische Wohnungseinrichtungen waren ab den achtziger Jahren auch Zimmerbrunnen aus Edelstahl im Handel erhältlich.
Während ein Teil der Menschen Zimmerbrunnen als Nachbildung der Natur bevorzugten, bei denen mit Natursteinen und integrierten Pflanzen auch Wasserfälle nachgebildet wurden, suchten andere nach einem Zimmerbrunnen der streng geometrisch aufgebaut in die Zeit der kühlen Moderne passte. In viele Zimmerbrunnen wurden richtig kleine Wasserspiele integriert. Je aufwändiger der Zimmerbrunnen gestaltet war, desto teurer war er dann natürlich auch. Oft sah man Zimmerbrunnen mit geschliffenen Steinkugeln, die durch den Wasserdruck angehoben wurde und sich drehte. Kombiniert mit in Hydrokultur stehenden Zimmerpflanzen wurden richtig kleine Ziergärten um den Zimmerbrunnen herum geschaffen.
Ein positiver Nebeneffekt kommt es durch den Zimmerbrunnen auch zu einer Befeuchtung der Raumluft. Gerade in den trockenen Wintermonaten kann dies Vorbeugend gegen Infektionen wirken, da die Schleimhäute feucht gehalten werden und dadurch nicht so anfällig für Keime sind. Menschen die nach Feng Shui leben, haben einen Zimmerbrunnen, weil diese Lehre dem fließenden Wasser eine hohe spirituelle Energie zuschreibt.
